Moorbäder und Mooranwendungen

Was auf den ersten Blick eventuell etwas abstoßend und eklig wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als hilfreich und empfehlenswert.

Um was geht es?

Um ein Moorbad!

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Was ist ein Moorbad?

Bei einem Moorbad geht es tatsächlich darum, im Moor ein Bad zu nehmen. Natürlich nicht in irgendeinem stinkenden und gefährlichen Sumpf, wie man sie aus Horrorfilmen im Fernsehen kennt, sondern in einem heilsamen Naturmoor.

Für das Moorbad oder Schlammbad wird das Badewasser mit Badetorf angereichert, der aus Mooren abgebaut wird. Dieser Schlamm besitzt aufgrund seiner mineralischen Inhaltsstoffe und seiner thermischen Eigenschaften eine heilsame und gesundheitsfördernde Wirkung auf den menschlichen Körper.

Zum einen ist der Badetorf ein guter Wärmespeicher. Bei einem Bad kann er die gespeicherte Wärme deutlich länger halten und langsamer an den Körper abgeben, als es beispielsweise bei einfachem Wasser der Fall wäre.

Bei der Erwärmung des Körpers werden dann die endokrinen und vegetativen Regelkreise beeinflusst, die sich positiv auf das Immunsystem und den Stoffwechsel auswirken. Zudem sorgt die Wärme für eine Entspannung der Muskulatur.

Mineralienhaltiger Badeschlamm enthält zudem entzündungshemmende Substanzen wie etwa Huminsäure. Diese Eigenschaften werden sich vor allem bei Behandlungen mit Moorpackungen zunutze gemacht.

Moorbäder können mit dem ganzen Körper getätigt werden. Dabei verbleibt man in der Regel um die 20 Minuten im warmen Moor. Auf diese Weise profitiert der gesamte Körper von den positiven Eigenschaften des Heilschlamms.

Bei einer besonders dickbreiigen Variante des Moorbads kommt zudem noch ein Schwebeeffekt hinzu. Dieser entsteht aufgrund der deutlich geringeren Verdrängung von Moor gegenüber Wasser. Der Körper befindet sich dann in einer Art Schwerelosigkeit, die sich positiv bei Gelenkerkrankungen und rheumatischen Beschwerden auswirkt.

Mooranwendungen mit Moorpackungen können aber auch gezielt nur auf einzelne Körperbereiche angewendet werden. Dabei werden die entsprechenden Stellen am Körper mit Moor eingerieben oder mit Moorkissen bedeckt.

Üblicherweise werden Moorbäder oder Mooranwendungen aus hygienischen Gründen als Einzelanwendung durchgeführt. Der heilsame Torf wird dabei nur ein einziges Mal verwendet. Nach der Anwendung kommt der Heilschlamm zurück in die Abbaugebiete, wo er erst nach einer mehrjährigen Regenerationsphase wiederverwendet werden kann.

Moorbad und Mooranwendung für zu Hause?

Da nicht bei jedem der nächste Kurort gleich um die Ecke liegt, gibt es natürlich auch die Möglichkeit, ein Moorbad zu Hause in den eigenen vier Wänden zu nehmen.

Mittlerweile findet man im gut sortierten Supermarkt oder in Drogerien und Bioläden entsprechende Badezusätze, mit denen man die heimische Badewanne in ein richtiges Moorbad umfunktionieren kann.

Wer von den heilsamen Eigenschaften des Naturmoors bei Beschwerden wie Nackenschmerzen und Rückenschmerzen profitieren möchte, der kann auch auf praktische Moorkissen zurückgreifen.

Auf diese Weise kann man bei der Mooranwendung ganz ohne Dreck und Schweinerei im Badezimmer von den positiven Eigenschaften des heilsamen Moorschlamms profitieren. Moorkissen findet man üblicherweise in Reformhäusern oder man bestellt sie sich einfach über das Internet.

Die Geschichte des Moorbads

Das Moorbad hat eine lange Geschichte. Erzählungen zufolge wussten bereits die alten Ägypter um die Vorteile eines Bades im Moorschlamm. Im Flussbett des Nils konnte der mineralienhaltige Schlamm geborgen werden. Moorbäder wurden nicht nur von Adligen zur Erhaltung von Schönheit und Gesundheit genommen, sondern auch von Soldaten, um sich nach langen Kämpfen von den Wunden und Qualen der Kriege zu heilen.

In Europa sollen Moorbäder vor allem von den Soldaten Napoleons verbreitet worden sein. Beispielsweise wurde für die Truppen des Kaisers nach der Völkerschlacht bei Leipzig in Bad Nenndorf das erste Kurbad mit Mooranwendungen eröffnet.

Die bekanntesten Kurorte in Deutschland und Europa eröffneten ihre Moorbäder bereits im 19. Jahrhundert. Zu den bekanntesten Stätten gehören folgende Kurbäder:

  • Bad Pyrmont (1802)
  • Marienbad (1813)
  • Franzensbad (1827)
  • Karlsbad (1836)

Das ehemalige Kurhotel Ludwigsbad in Bad Aibling war das erste Moorheilbad Bayerns. Es wurde im Jahre 1845 von Desiderius Beck, einem der bekanntesten königlich bayerischen Gerichtsärzte, eröffnet.

 

 

 

 

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